Wir haben mit unserem Technischen Leiter Peter Rachel darüber gesprochen, wie er die aktuelle Zeit erlebt. Peter ist mit Beginn des Jahres aus Bremen zu uns nach Neukölln gestoßen. 


Portrait Peter Rachel

 
Peter, wie ergeht es dir in der derzeitigen Situation?
 
Ich schätze mich glücklich, einer derjenigen zu sein, die momentan langsam und relativ gut gefedert fallen, angesichts der gravitätischen Macht, die Corona mancherorts entfaltet. Meiner Familie und mir geht es gut.


Du bist ja gerade erst zu uns aus Bremen gestoßen und hattest dir den Einstieg bestimmt auch etwas anders vorgestellt. Wie konntest du dich angesichts der außergewöhnlichen Lage bei uns einleben – und wie sieht dein Arbeitsalltag aktuell aus?
 
Der Wechsel zum Heimathafen war schon allein ein großes Unterfangen für uns fünf – meine Frau, unsere drei Söhne und mich. Binnen vier Monaten haben wir die Umpflanzung absolviert. Gerade eben angekommen, stecken wir jetzt zwischen altem und neuem Leben fest. Das unterscheidet uns im Zeichen der Pandemie ja gar nicht von den meisten Menschen, mit denen wir jetzt diese Unwirklichkeit teilen – alle müssen sich ja jetzt irgendwie reintegrieren. Mein Arbeitsalltag und der meiner Kollegen im technischen Bereich, findet statistisch nur noch zu 50 Prozent statt, bezogen auf die Arbeitsstunden, da wir auch im Heimathafen gezwungen waren, in die Kurzarbeit zu gehen. Die Motivation allerdings und das Engagement sind ungebrochen, Sorgen und Zweifel aber auch. Wir beschäftigen uns zurzeit mit Wartungsarbeiten, technischen Prüfungen und der Pflege unseres schönen Hauses; die Stimmung ist manchmal vergleichbar mit einem Festtagsputz, in ansteigender Vorfreude auf den großen Tag.


Was alles beinhaltet denn die Arbeit als Technischer Leiter im Heimathafen NK und wie unterscheidet sich diese von deiner vorherigen Arbeit als Bühnenmeister am Stadttheater Bremen?
 
Als Bühnenmeister in Bremen war ich einer unter 400 Kolleg*innen, in einem sehr großen Theater- und Opernbetrieb mit präzise abgezirkelten Arbeitsbereichen. Ich war dort zuletzt auf der Opernbühne tätig und verantwortlich für die technischen Abläufe im Spielbetrieb, die Auf- und Abbauten der Abendvorstellungen, Betreuungen der Proben und die Vorbereitung kommender Premieren. Wir hatten dort ein großes Repertoire mit täglich wechselnden Vorstellungen und Proben, gearbeitet wurde von morgens 7:00 Uhr bis abends 23.00 Uhr. Eigentlich war das eine Theaterfabrik, gemessen an den Verhältnissen im Heimathafen – das hat mich ganz schön geschlaucht! Im Heimathafen arbeite ich zum ersten Mal als Technischer Leiter, was eine Fülle neuer Themen sich bringt. Ich habe jetzt keinen Vorgesetzten mehr, der im Zweifelsfall entscheidet, der bin ich jetzt plötzlich selbst – ein Rollenwechsel, an den ich mich erstmal gewöhnen muss. Meine Aufgaben umfassen die technische Umsetzung des Spielplanes, die damit verbundenen Planungen und Vorbereitungen aller Veranstaltungen gemeinsam mit meinen Kolleg*innen, die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften, der Verkehr mit den Bezirksbehörden über unser denkmalgeschütztes Haus, Personal-, Budget- und Wartungsplanung für den technischen Bereich, kurz gefasst – die ganze Palette! Der Heimathafen ist ein eigener, persönlich vernetzter und chronisch kreativer Kosmos. Ich arbeite eng mit meinem Team zusammen, es zählen hier nicht Rang noch Stellung, sondern Eifer und Engagement in Richtung der gemeinsamen Aufgaben. Ich wollte unbedingt diese Freiheit, für mich der Hauptgrund, die Stelle hier anzunehmen. »Passion is the only way out« – wie Catherine Deneuve mal sagte.


Nach der Verlängerung der Maßnahmen des Berliner Senats zur Eindämmung des Coronavirus bis zum 31. Juli wäre der frühstmögliche Wiedereröffnungs-Termin der Beginn der neuen Spielzeit im August. Was denkst du, wie wird die neue Normalität für ein Haus wie den Heimathafen Neukölln aussehen, und wie lässt sich unter den dann möglicherweise weiterhin eingeschränkten Bedingungen überhaupt Theater spielen – und wie könnte ein Theater mit Abstandsregeln deiner Meinung nach aussehen?
 
Zunächst einmal ist die Anspannung in allen Häusern sehr groß, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt niemand sagen kann, unter welchen Auflagen der Spielbetrieb gestellt wird, wenn wir wieder öffnen dürfen. Wann wir behördlicherseits öffnen können, ist ja auch keineswegs sicher. Wir gehen gegenwärtig davon aus, dass unsere Zuschauerkapazitäten aufgrund der Abstandsregeln auf ca. 20-30 Prozent schrumpfen werden, so dass dann von 400 Sitzplätzen noch 120 bleiben. Wie oder ob überhaupt mittelfristig noch Konzerte stattfinden werden, die bei uns im Heimathafen regelmäßig um die 800 Menschen genießen, steht in den Sternen. Das ist einfach hart und der Druck der fehlenden Einnahmen wird groß, so viel ist sicher. Konkret tüfteln wir zurzeit an Planungen, wie viele Besucher wir bei uns unterbringen können, wie wir Personal, Zuschauer und Künstler bestmöglich schützen können und wie logistische Abläufe unter Wahrung der Abstandsgebote und Hygieneregeln funktionieren können. Eine Blaupause für einen derartig eingeschränkten Proben- und Spielbetrieb, gibt es nicht – hier wird für jede Veranstaltung nach Lösungen gesucht werden müssen. Uns bleibt gegenwärtig nur, konstruktiv und allen Unwägbarkeiten zum Trotz, an unserem Spielplan zu arbeiten und alles aufzubieten, um das Überleben des Heimathafens zu gewährleisten.


Krise wird ja gerne auch als Chance gesehen – was können und sollten wir aus der aktuellen Situation deiner Meinung nach mitnehmen bzw. beibehalten? Über welche geübten Routinen werden wir uns rückblickend wundern?
 
Darauf möchte ich mit einem Wunsch antworten, nämlich dass wir uns ein gesteigertes Bewusstsein für Respekt und Mitgefühl bewahren. Mit etwas Pech werden aus den neuen Routinen bald alte Gewohnheiten, sollte das Virus sich noch länger hartnäckig halten.


Was denkst du, wird die Welt nach Corona fundamental anders sein, oder wird alles beim alten bleiben, wenn die Maschine wieder so richtig läuft?
 
Die Maschine wird ja wahrscheinlich noch länger nicht richtig laufen. Darüber werden wir uns allerdings technisch und mithilfe von ausgeprägten Verdrängungsmechanismen hinwegsetzen, ist der Mensch doch der Gott der Prothesen. Moralisch-ethisch, so meine Vermutung, wird sich unsere DNS nicht grundlegend ändern. Ich freue mich auf ein Gespräch darüber mit meinen Kindern in zehn Jahren. 


In unserer neuen Realität ist die Kunst und das Theater zu einem verzichtbaren Luxus geworden. Aber brauchen wir in Krisenzeiten das Theater nicht mehr denn je?
 
Nö, nicht mehr als normalerweise. Das Theater ist ja keine Weltheilinstanz, aber immer und auch weiterhin ein Ort für des Zueinanderfinden, den Widerstreit und die Annährung vitaler Interessen und Positionen. Natürlich auch für Spaß, Freude, rauschhaftes Ab- und Eintauchen und Inspiration. Ich bin beeindruckt davon, welch großen Stellenwert unser Haus im Leben unser Gäste einnimmt, angesichts der großen Unterstützung und des Zuspruchs.



So manch einer läuft erst in Ausnahmezuständen so richtig zu Hochform auf, wie ist das bei dir, zu tun hast du ja, auch abseits des Heimathafen, bestimmt genug?


Als Vater dreier Söhne lebe ich im Ausnahmezustand, befinde mich jetzt also im Doppel-Ausnahmezustand, selbstverständlich in Höchstform.


Wir haben in den vergangenen Tagen und Wochen viel Solidarität erlebt – alle treten einen Schritt zurück für ein gemeinsames Ziel. Auch die Unterstützung unseres Publikums ist enorm und beeindruckt. Durch die Lockerungen scheint aber auch die Solidarität etwas aufzuweichen und es kommt zu Glaubenskämpfen darüber, wie es weitergehen soll. Wie ist es aus deiner Sicht um die Solidarität bestellt?
 
Ich denke dass wir Menschen in Deutschland, gemessen an den globalen Entwicklungen der Pandemie, noch nicht wirklich in einer so bedrohlichen Situation stecken, an der sich Solidarität messen lässt – hat uns doch unser großer Reichtum bisher gut schützen können. Sollten wir im Nachgang der ersten Welle, oder gar im angesichts der zweiten, in der Masse existenzielle Entbehrungen hinnehmen müssen, lässt sich womöglich eine Aussage über Zustand und Wesen der Solidarität treffen. Bisher fehlt mit persönlich der Gradmesser. 


Das Theater ist Krisen ja eigentlich gewohnt. Wie wird die Theaterlandschaft in 2021 aussehen? Droht uns ein Theatersterben?
 
Das kann ich nicht einschätzen.


Als Neu-Berliner, wie erlebst du Neukölln?
 
Ich habe bis 2009 fast zehn Jahre lang in Berlin gelebt, einen Großteil davon in Neukölln. Was ich jetzt erlebe hat wenig mit meinem Damals zu tun. Ich erlebe jetzt eine Stadtteil in einem beeindruckenden und beängstigendem Spannungsfeld zwischen neuem Internationalismus, Gentrifizierung, kapitalistischer Ausplünderung und kultureller Selbstbehauptung – die Stadt als Beute, schillernd schrecklich!


Was fehlt dir angesichts der derzeitigen Einschränkungen aktuell am meisten?
 
Ich bin mir echt nicht sicher. Vielleicht ein Eis am Stiel mit jemand fremdem zu teilen?


Hast du einen Vorschlag an unser Publikum, wie wir mit der aktuellen Situation umgehen könnten?
 
Regelmäßig den Drosten-Podcast hören, nicht ausflippen und lieb zueinander sein.



Wir danken für das Gespräch.





Über uns — Wir begreifen Neukölln als Untersuchungsraum, Schauplatz und Bühne, die wir mit unterschiedlichsten Formaten bespielen. Abseits der großen Häuser der Stadt spiegelt der Heimathafen die ihn umgebende Realität – als Reaktion auf die sich ständig verändernde Vielfalt aus Farben, Stilen, Genres, Milieus und Kulturen.

 

Unseren Anspruch als Kulturraum für alle erfüllen wir durch Formatvielfalt und Publikumsnähe. Eingebettet in die Kulturmeile Karl-Marx-Straße, umgeben von Oper, Kino und Galerien, finden Einheimische und Gäste ein Stück kulturelle Heimat, in der vieles möglich wird und neu zusammenfindet. Eine Vielfalt an Sparten. Alle sind dabei. Wir wollen die Stimmung einfangen, Kontroversen aufgreifen, Geschichten erzählen und im besten Sinn ein Ort der Unterhaltung sein.

 

Foto:Daniela Incoronato

141 Hafenbande — Wir sind die Kapitäne

Wer sich zu uns nach Neukölln aufmacht stellt schnell fest: Die Straßen werden belebter, der Ton wird rauer. Nächte in Neukölln bergen viele Versprechen: sie verheißen Abenteuer, Absturz und Gemeinschaft. Für uns ist Neukölln unsere Heimat. Die Karl-Marx-Straße unser Boulevard. Der Heimathafen unsere Spielfläche.

Foto:Annabell Sievert

Im Jahr 2009 startete ein 10-köpfiges Frauen-Kollektiv den Heimathafen Neukölln. Inzwischen sind wir zu einem bunten Haufen gewachsen und stellen ein engagiertes, kreatives, freundliches und immer wieder über sich hinaus wachsendes Team.

Foto:Annabell Sievert

Künstler*innen am Haus

Alexander Ebeert

Schauspieler

Als Schauspieler war Alexander Ebeert nach ersten Arbeiten am Theater in der Josefstadt in Wien und am Stadttheater Klagenfurt von 2000 bis 2006 fest am Düsseldorfer Schauspielhaus engagiert. Es folgte ein Festengagement am Berliner Ensemble. Seit 2013 ist Alexander Ebeert an der Volksbühne Berlin mit Sebastian Klink und am Heimathafen Neukölln mit Nicole Oder und Andreas Merz. Zuletzt als »Peter Pan« am Heimathafen Neukölln und als Feldprediger in »Mutter Courage« am Stadttheater Klagenfurt.

Foto:Astrid und Robert Nippoldt

Astrid und Robert Nippoldt

Buchgestaltung, Illustration

Es begann als lose Zusammenarbeit, als Astrid Nippoldt 2004 das Diplombuch ihres Bruders Robert lektorierte. In der Folgezeit griffen sich die Videokünstlerin und der Buchgestalter immer wieder gegenseitig unter die Arme und inspirierten sich zu neuen Projekten. 2012 schließlich gründeten sie das Studio Nippoldt und illustrieren und gestalten seitdem unter diesem Namen u.a. Bücher, Magazine, Wissenschaftscomics und, wie für den Heimathafen Neukölln, sehr gerne auch Veranstaltungsplakate.

Foto:Bernd Schoenberger

Bela Brauckmann

Musiker, Produzent

Bela Brauckmann organisiert die erfolgreiche Veranstaltung Sing dela Sing bundesweit und tritt bei manchen Abenden auch gern mal an die Eimer und trommelt. Manager, Schlagzeuger, Komponist & Produzent u.a. bei Cultured Pearls, Boy, Roachford, Randy Crawford, Edo Zanki, Johannes Oerding, Mark Forster, Miss Platnum
Foto:Sinissey

Britta Steffenhagen

Schauspielerin, Moderatorin

Die Kreuzberger Urberlinerin Britta Steffenhagen ist von Anfang mit dabei im Heimathafen Neukölln und spielte in verschiedenen Produktionen mit. Sie ist die Marianne bei den Rixdorfer Perlen und moderiert bei uns die Radioeins Radio Show. Dazu spricht sie wie wild Hörbücher, Hörspiele, und Dokumentationen ein. Für den Heimathafen würde Britta (fast) alles tun.

Foto:Bernd Schoenberger

Cem Arnold Süzer

Sänger

Seit 2017 ist Cem Arnold Süzer mit der Veranstaltung Sing Dela Sing im Heimathafen. Ausnahmesänger und treuester Sideman von Adel Tawil/ich&ich, vormals A capella-Ass bei Maybebop und The Buddhas.

Foto:Hannes Caspar

Constanze Behrends

Schauspielerin, Autorin, Regisseurin

Constanze Behrends ist Schauspielerin, Autorin und Regisseurin. Sie ist Gründerin des »prime time Theaters« im Wedding und wechselte 2016 an den Heimathafen. Hier schrieb, inszenierte und spielte sie das Theaterstück »Beziehungskiste«, das Musical »Klassenkampf« und die musikalische Comedy-Show »Brautzillas«. 

Felix Raffel

Pianist, Filmkomponist

Felix Raffel ist studierter Pianist und Filmkomponist und seit 2010 am Haus. Seitdem begleitet er vor allem die Shows der Rixdorfer Perlen und während der Silvestertage die der Gorillas. Ansonsten schreibt er Filmmusik für Kino- und TV-Produktionen im In- und Ausland und erhielt dafür mehrere Preise. Der Heimathafen Neukölln bleibt für Felix, was er ist – seine Heimat!

Foto:Bernd Schoenberger

Gunter Papperitz

Musiker, Produzent

Bei uns ist Gunter Papperitz als Sänger und Pianist des erfolgreichen Karaoke Formats der Popmusik, Sing dela Sing, einmal im Monat zu sehen und zu hören. Außerdem agiert er als Keyboarder, Arrangeur, Komponist & Produzent u.a. bei Radio Doria, Niels Frevert, Rainbirds, Die Sterne, Peter Fox und Marteria.

Inka Löwendorf

Schauspielerin, Regisseurin

Als eine der Mitbegründerinnen des Heimathafen Neukölln ist Inka Löwendorf Teil der künstlerischen Leitung, Schauspielerin und Regisseurin. Sie studierte Schauspiel am Max-Reinhardt Seminar in Wien und war u.a. von 2007-2017 Ensemblemitglied der Volksbühne Berlin. Berühmt wurde sie bei uns in unserer Erfolgsproduktion »Die Rixdorfer Perlen« als Amüsierdame Jule.

Foto:Bernd Brundert

Jaron Löwenberg

Schauspieler

Er war am Heimathafen Schauspieler der ‚ersten Stunde‘. Jaron Löwenberg spielte 2009 bei der Eröffnungspremiere im großen Saal und ist seitdem auf diversen Bühnen, wie beispielsweise an der Neuköllner Oper, den Sophiensälen, dem theaterdiscounter und Theater unterm Dach tätig. Mit »Beziehungskiste« ist er wieder in den Heimathafen Neukölln heimgekehrt.

Foto:Vivian Werk

Johanna Morsch

Sängerin, Schauspielerin

Johanna Morsch ist ein Kind der 80er, in Neukölln geboren und in Wilmersdorf aufgewachsen. Sie studierte von 2002-2007 klassischen Gesang an der UdK in Berlin und ist seit Geburtsstunde des Heimathafens als Mieze bei den »Rixdorfer Perlen« singend und putzend tätig. Ihrem Ruf als »die Netrebko vom Hermannplatz« wird sie immer wieder gerecht – ihrer gewaltigen Stimme haben wir so einige Gänsehäute zu verdanken! Wenn sie nicht gerade im Heimathafen auf der Bühne steht, arbeitet sie als Stimmtherapeutin.

Foto:Annabell Sievert

Julia von Schacky

Künstlerische Leitung

Als Mitbegründerin des Heimathafen Neukölln ist Julia von Schacky seit Beginn Teil der Künstlerischen Leitung. Neben der Ausstattung vieler Heimathafen-Produktionen entwickelte sie zusammen mit Inka Löwendorf die Idee der »Rixdorfer Perlen«, eine sich ständig erneuernde musikalische Kiez-Revue, die den Heimathafen in allen Lebenslagen begleitet. Als freie Bühnenbildnerin arbeitet sie u.a. am Theater an der Ruhr, Düsseldorfer Schauspielhaus und zuletzt am Schmidtchen an der Reeperbahn in Hamburg.

Foto:Vanessa Díaz

Ken Yamamoto

Autor, Moderator, Slammer

»Als ich damals nach Neukölln zog, dachte ich mir: Genau hier will ich eine Show machen! Genau 10 Jahre später ist es soweit und ich moderiere endlich den Best of Poetry Slam mit den besten deutschsprachigen Slammer*innen auf der schönsten Bühne der Stadt. Ansonsten findet man mich überall, wo ein Stückchen Poesie in die Welt getragen wird, also auf den schäbigsten aber auch schönsten Bühnen der gesamten Republik.«

Foto:Sinan Özmen

Maike Plath

Autorin, Theaterpädagogin, Lehrerin

Während ihrer 9-jährigen Tätigkeit als Lehrerin realisierte Maike zahlreiche biografische Theater-Eigenproduktionen und entwickelt aus der Praxis mit den Jugendlichen ein partizipatives künstlerisches Konzept. Sie arbeitet als künstlerische Leiterin des Theater-Jugendclubs am Heimathafen Neukölln und leitet gemeinsam mit zwei Kolleginnen den Verein ACT e.V. Berlin.

Foto:Maizucker

Marlene von Steenvag

Burlesque-Künstlerin, Veranstalterin

Marlene von Steenvag gehört zu den bedeutendsten Vertreterinnen des Neo-Burlesque der heutigen Zeit. Hierbei handelt es sich um eine eigenständige Form des Tanzes, bei dem Künstler elegant sowie fantasievoll geprägten Inszenierungen auftreten.
Die etablierte Künstlerin bietet im Rahmen eines neuartigen Ausbildungsprogrammes ausgesuchten Schülern eine umfassende Ausbildung im Bereich Burlesque. Darüber hinaus gründete sie erfolgreich das »Berlin Burlesque Festival«, um diese Kunstform einem breiten Publikum auf hohem Niveau in Deutschland und Europa näher zu bringen.

Foto:Axel Martens

Max Goldt

Autor

Max Goldt ist seit 2012 regelmäßig mit seinen legendären Lesungen neuer und alter Texte zu Gast im Heimathafen. Die FAZ schrieb: »Max Goldt zu hören ist doppelter Genuss, denn seine Kolumnen sind eigentlich ›Lyrics‹, die des Interpreten bedürfen.«

Foto:Ben Bayer

Melanie Haupt

Schauspielerin, Kabarettistin, Musikerin

Zusammen mit Constanze Behrends spielt Melanie Haupt den Abend »Brautzillas« hier am Haus. Ansonsten ist sie unterwegs mit ihrem Solo »Hauptquartier – Showdown im Großhirn«, oder einem Stück über unser Steuersystem: »Frauen an der Steuer – Wenn Frauen auf dem Umsatz abdrehen«. Und natürlich teilt sie sich so oft wie möglich die Bühne mit ihrem lieben Kollegen Bodo Wartke.

Foto:Luca Abbiento

Michael Ruf

Autor, Regisseur

Michael Ruf ist Autor und Regisseur der dokumentarischen Theaterstücke Asyl-Monologe (2011), Asyl-Dialoge (2015), NSU-Monologe (2016) und Mittelmeer-Monologe (2019), und seit 2013 regelmäßiger Gast im Heimathafen Neukölln. Er ist Leiter von Wort und Herzschlag und spielt in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne Boule.

Moritz Neumeier

Kabarettist, Moderator, Comedian

Moritz Neumeier hat einen recht harten Humor – zugegeben. Aber das passiert eben, wenn man über das Leben spricht. Zusammen mit Till Reiners ist er im Heimathafen alle zwei Monate zu sehen bei »Schund & Asche – die Chaosgala«, bei der sie dem jeweils anderen zeigen wollen, dass sie der bessere Unterhalter, ach was: Mensch sind.

Morris Perry

Entertainer, Tänzer, Choreograph

Morris Perry, geboren in Detroit, Michigan, ist seit über 40 Jahren in der Entertainment-Industrie als Performer, Lehrer, Choreograph und Regisseur tätig. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins, Spotlight Talent e.V. und CEO von Fujiama Productions e.K. Seit 2011 begeistert er mit jungen Talenten aus dem Kiez in seiner Urban Music and Dance Show »FUJIAMA«.

Foto:Annabell Sievert

Nicole Oder

Regisseurin

2007 lernte Nicole Oder die Theatermacherinnen des Heimathafen Neukölln kennen und ist dort seit 2008 Mitglied des künstlerischen Leitungsteams. Sie war Stipendiatin beim Internationalen Forum des Theatertreffens 2010 und erhielt 2011 und 2015 eine Nennung als beste Nachwuchskünstlerin im Jahrbuch der Theater heute. Ihre Inszenierungen Arabboy und ArabQueen wurden als Publikumsrenner jahrelang im Heimathafen Neukölln und bei internationalen Gastspielen gezeigt.

Foto:Esra Rotthoff

Till Reiners

Kabarettist, Comedian

Niemand sagt so charmant so böse Dinge. Till Reiners galt mal als »Hoffnung des deutschen Kabaretts«, er hat sich deswegen entschieden, jetzt Stand-Up-Comedy zu machen. Wegen der Bescheidenheit. Zusammen mit Moritz Neumeier ist er im Heimathafen alle zwei Monate zu sehen bei »Schund & Asche – die Chaosgala«, bei der sie dem jeweils anderen zeigen wollen, dass sie der bessere Unterhalter, ach was: Mensch sind.

Foto:Urban Zintel

Tilman Birr

Musiker, Autor

Tilman Birr kam durch den Poetry Slam zum Heimathafen. Von 2009 bis 2018 hat er hier den »Saalslam« veranstaltet und moderiert, und hatte irgendwann die Idee, das gleiche mit Musik zu machen: seit 2014 organisiert er den »Songslam« zusammen mit seinem Kollegen Paul Bokowski. Aber eigentlich ist er Kabarettist, Musiker, schreibt Bücher und geht nach den Veranstaltungen am liebsten in den »Löwen« in der Richardstraße.

Foto:Oliver Betke

Tobias Wollschläger

Schauspieler

Seit 2016 steht Tobias Wollschläger regelmäßig für »Beziehungskiste« auf unserer Studio-Bühne. Der 1,90m große Berliner wurde 1986 in Lichterfelde geboren. 2006-2009 absolvierte er die Schauspielschule in Charlottenburg und steht seitdem über all auf den Bretten, die die Welt bedeuten oder vor der Kamera – am liebsten jedoch in Berlin.

Foto:Maria Zillich

Walid Al-Atiyat

Schauspieler, künstlerischer Leiter

Walid Al-Atiyat ist Schauspieler und künstlerischer Leiter der ACTIVE PLAYER NK. Er hat dort selbst als Spieler 2012 begonnen und 2018 die Leitung des Jugendclubs von Maike Plath übernommen. Darüber hinaus ist Walid inzwischen bekannter Theater- und Filmschauspieler und kann auf jahrelange Erfahrungen an der Volksbühne (Renè Pollesch u.a.), am Heimathafen Neukölln und in Kino- und Fernsehproduktionen (Fikkefuchs, Tatort u.a.) aufbauen.

Der Anfang von allem — bis Jetzt

Bild 1 Haupteingang in den Saalbau vor der Renovierung 1980iger Jahre

Bild 2 Kunstamt und Saalbau Neukölln in der Karl-Marx-Straße, 1980er-Jahre

Bild 3 Eingang zum Saalbau Neukölln in der Karl-Marx-Straße, 1954

1875 – Der böhmisch-stämmige Gastwirt Ludwig Niesigk lässt den heutigen Heimathafen Neukölln – den NIESIGK’SCHEN SALON – in der Gemeinde Rixdorf mit Wirtshaus, Salon und Ballsaal bauen.

1899 – Rixdorf hat inzwischen 80.000 Einwohner. Carl Göpler übernimmt das Haus und erweitert es mit Kegelbahn, Gaststube, Vereinsräumen und ganz wichtig: Damen- und Herren WCs.

1905 – Im umbenannten GÖPLER’S SALON eröffnet das NEUE STADTTHEATER, das aus Berufsschauspielern besteht. Einmal die Woche werden dort Klassiker aufgeführt.

1909 – Das RIXDORFER THEATER präsentiert ein breiteres Spektrum von Possen bis Tragödien.

1912 – Rixdorf (mit seinen 250.000 Einwohnern eine der größten Städte Deutschlands) wird mit kaiserlicher Erlaubnis in Neukölln umbenannt. Am 27.1.1912 findet im Haus anlässlich der Umbenennung ein Festmahl statt.

1915 – Der Saal wird zum Kino – die NEUKÖLLNER THEATER-LICHTSPIELE.

1928 – Umgestaltung des Vorderbaus im Stil der NEUEN SACHLICHKEIT.

1931 – Das Theater kehrt zurück – mit Gastspielen, Operetten und Singspielen.

1941 – Das Gebäude reiht sich in die Tatorte der Verbrechen des Nazi-Regimes ein – in ihm fand die Ausweidung jüdischen Eigentums nach der Deportation seiner Besitzer in die Hölle der Konzentrationslager statt.

1946 – Nutzung des Saals als EXCELSIOR-KINO

1955 – Umbauarbeiten und Nutzung als SAALBAU – Sprech-/Musikbühne, Konzertsaal, Versammlungs- und Filmvorführungsraum.

1962 – Durch die Berliner Mauer gerät der SAALBAU ins kulturelle Abseits. Neukölln ist ein cityferner Bezirk.

1963 – Im Gebäude wird eine Passierschein-Stelle eingerichtet, die Verwandtenbesuche seit dem Mauerbau möglich macht.

1968 – Das Gebäude wird aufgrund baulicher Mängel polizeilich gesperrt. Das Haus steht leer und verfällt.

1986 – Das Abgeordnetenhaus beschließt die Renovierung.

1990 – Nach mehr als 20-jährigem Dornröschenschlaf wird das Gebäude feierlich an das Kulturamt übergeben. Es soll an die reiche kulturelle Geschichte des Ortes anknüpfen. Der Begriff der »Neuköllner Mischung« ist geboren: eine Programmvielfalt, die den sehr unterschiedlichen Interessen des Kiezes entgegenkommt.

2009 – Das frauenreiche Team des HEIMATHAFEN NEUKÖLLN übernimmt das Gebäude. Im Pachtvertrag einigt man sich darauf ein »niedrig schwelliges Kulturangebot für den Bezirk und ganz Berlin zu schaffen.« Der Heimathafen für Alle ist geboren.