ÜBER UNS

 

Willkommen im Weltkulturkiez. Wir wollen im alten Ballsaal an der Karl-Marx-Straße unter dem goldenen Stuck von einst das Hier und Jetzt einfangen: Was bewegt Neukölln? Was hat es zu erzählen? Wir sind voller Neugier und tauchen ein in Biografien aus aller Welt, die zum Politikum werden, in Kontroversen, die eine Vision des Zusammenlebens ahnen lassen, und in das Explosive, das vielleicht einer noch ganz ungeahnten Perspektive den Weg ebnet.

 

Wir öffnen den alten roten Samtvorhang für die eigene Theaterproduktionen genauso wie für internationale Bands, für politische Theatergruppen und diverse Autor*innen, den Jugendclub und das Kieztheater, für die Poetry-Slammer und Street Dancer, für Aktivist*innen und Wegbereiter*innen und wir sind jedes Mal aufs Neue begeistert, wenn sich die vielen unterschiedlichen Perspektiven hier begegnen.

 

Neukölln spiegelt unsere Gesellschaft im Umbruch und das geht nicht ohne Reibung. Aber hier und da blitzt daraus ein neues Selbstverständnis hervor, ein gemeinsames Selbstbewusstsein – und diese Neuköllner Funken möchten wir festhalten. Und in die Welt hinaus schicken.

 

Oder wie einmal jemand gesagt hat: »In Neukölln gehen wir nicht ins Theater. Wir gehen in den Heimathafen.« Wir ziehen den Hut, das Cap, die Kapuze aus der Stirn für diese höchste aller Anerkennungen.

 

Foto: Daniela Incoronato

Der Anfang von allem — bis Jetzt

Bild 1 Haupteingang in den Saalbau Neukölln vor der Renovierung 1980iger Jahre

Bild 2 Kunstamt und Saalbau Neukölln in der Karl-Marx-Straße, 1980er-Jahre

Bild 3 Eingang zum Saalbau Neukölln in der Karl-Marx-Straße, 1954

1875 – Der böhmisch-stämmige Gastwirt Ludwig Niesigk lässt den heutigen Heimathafen Neukölln – den NIESIGK’SCHEN SALON – in der Gemeinde Rixdorf mit Wirtshaus, Salon und Ballsaal bauen.

1899 – Rixdorf hat inzwischen 80.000 Einwohner. Carl Göpler übernimmt das Haus und erweitert es mit Kegelbahn, Gaststube, Vereinsräumen und ganz wichtig: Damen- und Herren WCs.

1905 – Im umbenannten GÖPLER’S SALON eröffnet das NEUE STADTTHEATER, das aus Berufsschauspielern besteht. Einmal die Woche werden dort Klassiker aufgeführt.

1909 – Das RIXDORFER THEATER präsentiert ein breiteres Spektrum von Possen bis Tragödien.

1912 – Rixdorf (mit seinen 250.000 Einwohnern eine der größten Städte Deutschlands) wird mit kaiserlicher Erlaubnis in Neukölln umbenannt. Am 27.1.1912 findet im Haus anlässlich der Umbenennung ein Festmahl statt.

1915 – Der Saal wird zum Kino – die NEUKÖLLNER THEATER-LICHTSPIELE.

1928 – Umgestaltung des Vorderbaus im Stil der NEUEN SACHLICHKEIT.

1931 – Das Theater kehrt zurück – mit Gastspielen, Operetten und Singspielen.

1941 – Das Gebäude reiht sich in die Tatorte der Verbrechen des Nazi-Regimes ein – hier fand die Ausweidung jüdischen Eigentums nach der Deportation seiner Besitzer in die Hölle der Konzentrationslager statt.

1946 – Nutzung des Saals als EXCELSIOR-KINO

1955 – Umbauarbeiten und Nutzung als SAALBAU – Sprech-/Musikbühne, Konzertsaal, Versammlungs- und Filmvorführungsraum.

1962 – Durch die Berliner Mauer gerät der SAALBAU ins kulturelle Abseits. Neukölln ist ein cityferner Bezirk.

1963 – Im Gebäude wird eine Passierschein-Stelle eingerichtet, die Verwandtenbesuche seit dem Mauerbau möglich macht.

1968 – Das Gebäude wird aufgrund baulicher Mängel polizeilich gesperrt. Das Haus steht leer und verfällt.

1986 – Das Abgeordnetenhaus beschließt die Renovierung.

1990 – Nach mehr als 20-jährigem Dornröschenschlaf wird das Gebäude feierlich an das Kulturamt übergeben. Es soll an die reiche kulturelle Geschichte des Ortes anknüpfen. Der Begriff der »Neuköllner Mischung« steht für eine Programmvielfalt, die den sehr unterschiedlichen Interessen des Kiezes entgegenkommt.

2009 – Das frauenreiche Team des HEIMATHAFEN NEUKÖLLN übernimmt das Gebäude. Im Pachtvertrag einigt man sich darauf ein »niedrig schwelliges Kulturangebot für den Bezirk und ganz Berlin zu schaffen.«