Réka Kincses im Interview

Ihre Schulzeit in Rumänien zu Ceausescus Zeiten war so uninspirierend, dass Réka Kincses in den Park ging und den ganzen Tag Bücher las. Daraufhin flog sie vom Gymnasium. Später studierte sie Literatur in Cluj und in Budapest. Von hier ging sie freiwillig. Danach reiste sie mit einem Zirkus durch Europa und tingelte durch ein paar asiatische Länder. Im Jahr 1999 schaffte Réka ihren ersten Abschluss, und legte die deutsche Heilpraktikerprüfung ab. Direkt danach studierte sie Filmregie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Seitdem schreibt und inszeniert sie Filme und Theaterstücke in Rumänien, Budapest und Berlin. Für den Heimathafen Neukölln entwickelte und inszenierte sie das dokumentarische Theaterstück »Romo Sapiens« zusammen mit Alina Nelega, und die Tragikomödie ZUHAUSE von Constanze Behrends.

Erwartungen werden meist enttäuscht. Deshalb ist es am besten, sich ganz entspannt nach Neukölln zu begeben, im Café Rix schon mal einen Sekt zu genießen, den tollen Saal zu bewundern und den Abend ganz urteilsfrei auf sich zukommen zu lassen.

Was bedeutet für dich Zuhause?

Warme Kacheln unter der nackten Fußsohle, Kindergeschrei sonntags um sechs, Fernweh, Heimweh, Sprachengetummel, Milchkaffe in hohen Gläsern. Druck auf der Brust, an dem man sich gewöhnt hat.

Wie sehr hat dir das Theater in der Pandemie gefehlt?

So sehr, dass ich mich manchmal Frage: Warum tue ich mir das an? Aber dann denke ich: Weil ich das Theater liebe und es mir unendlich fehlen würde, wenn es nicht mehr da ist.

Wie unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit dem Team im Vergleich zum vor-pandemischen Zeitalter?

Im Prinzip gar nicht. Nur manchmal bleiben Leute plötzlich weg. Manche Themen werden leidenschaftlicher debattiert. Über manches redet man einfach nicht mehr. Und dann stürzen wir uns in die Szenenarbeit, erkunden Figuren und Situationen und vergessen für viele Stunden, dass es überhaupt eine Pandemie gibt.

Was können wir von Zuhause erwarten?

Erwartungen werden meist enttäuscht. Deshalb ist es am besten, sich ganz entspannt nach Neukölln zu begeben, im Café Rix schon mal einen Sekt zu genießen, den tollen Saal zu bewundern und den Abend ganz urteilsfrei auf sich zukommen zu lassen.

Zuhause ist ein episodisches Stück, inwieweit stellt das deine Arbeit als Regisseurin vor Herausforderungen?

Das Episodische war nur eine der vielen Herausforderungen. Ich finde mit Regie führen ist es wie mit rückwärts einparken: Man darf die Nerven nicht verlieren.

In der Produktion stellen sich Individuen Fragen, inwieweit uns die Gemeinschaft ausmacht und prägt. Wie waren für dich die vergangenen Monate, in denen wir alle viel auf uns selbst zurück geworfen waren, und an eine direkte Interaktion, zumindest am Theater, nicht zu denken war?

Ich hätte manchmal alles dafür gegeben in einem Raum voller verschwitzen Menschen zusammengequetscht neu werden. Natürlich nach einigen Gläsern Sekt.

Was lernen die Charaktere im Stück über sich selbst, und was hast du in dieser Zeit am meisten von dir erfahren, was dir zuvor nicht bewusst gewesen war? Hast du irgendetwas an deinem Verhalten, Einstellungen oder Leben geändert?

Das es etwas in uns gibt, das von keiner Krise, keine Pandemie, keine Krankheit, keine Tragödie oder Komödie zerstört werden kann. Wie der Blaufarn sagt »wir brauchen keine zusätzliche Existenzberechtigung«. Aber ob wir das gelernt haben? Jedenfalls gab es einen Moment der Einsicht. Und am Ende besteht das, was wir Leben nennen, auch nur aus unendlich vielen Momenten.

Zuhause ist ein Tragikomödie über den menschlichen Austausch und darüber, wie wir uns über unsere Arbeit definieren. Wie sehr definierst du dich über deine eigene Arbeit?

Vollkommen. Ich kann ohne zusätzliche Lebensberechtigung nicht existieren.

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