ALICE BOTA, KHUÊ PHAM, ÖZLEM TOPCU: WIR NEUEN DEUTSCHEN


Buchpremiere

Das Etikett nennt sich «Migrationshintergrund» und betrifft 18 Millionen Menschen in Deutschland. Ganz gleich, ob sich jemand als Deutscher fühlt oder nicht, ob jemand hier geboren wurde oder zugewandert ist – es drückt einen Stempel auf: Du bist nicht von hier. Drei dieser Menschen sind Alice Bota, Khuê Pham und Özlem Topçu. Obwohl ihre Familien aus ganz unterschiedlichen Ländern kommen – Polen, Vietnam, Türkei – vereint sie eine Erfahrung: Dass sie alles sind, nur nicht deutsch. Doch was heißt das überhaupt, deutsch sein? Und wie hoch ist der Preis, um als deutsch zu gelten?
Die drei ZEIT-Journalistinnen teilen ein Grundgefühl: Wut. Wut darüber, dass vornehmlich weiße Männer aus der Mittelschicht einen Angstdiskurs über ihre Köpfe hinweg führen und bestimmen wollen, was deutsch ist – oder eher: wer zum «wir» gehört und wer nicht.

Die Autorinnen erzählen von ihren Lebenswegen und davon, wie sie, ihre Familie und andere Deutschland erleben. Sie fordern dieses Land für sich, denn Migranten gehören dazu, sie haben Deutschland verändert, sie prägen längst das deutsche Lebensgefühl. Ihre Biographien und viele andere stehen dafür, dass es einen weiteren Raum jenseits der üblichen Grenzen und einseitigen Loyalitäten gibt – eben die «neuen Deutschen». «Wir sind eine Zumutung, das wissen wir. Die eine will das, die andere jenes, die Dritte fühlt sich genau dadurch gekränkt. Wir wissen, dass wir damit Verwirrung stiften. Wir wollen nicht, dass unsere Identität fremdbestimmt wird, dass wir als Nicht-Deutsche gelten. Und gleichzeitig geht uns der Satz: 'Ich bin eine Deutsche' schwer über die Lippen. Diese Andersheit muss Deutschland verstehen und aushalten, sie ist nicht mehr zu leugnen.»

Alice Bota, geboren 1979 im polnischen Krapkowice, kam 1988 mit ihren Eltern nach Deutschland. Seit 2007 ist sie Politikredakteurin bei der ZEIT. 2009 erhielt sie den Axel- Springer-Preis für junge Journalisten.

Khuê Pham wurde 1982 in Berlin geboren. Studium an der London School of Economics, danach Mitarbeit bei The Guardian und dem amerikanischen National Public Radio. Seit 2010 ist sie Politikredakteurin bei der ZEIT.

Özlem Topçu wurde 1977 in Flensburg geboren. Seit 2009 ist sie Politikredakteurin bei der ZEIT. Ausgezeichnet wurde sie mit dem Theodor-Wolff-Preis, und dem Regino-Preis.



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Freitag, 07.09.2012, 20:00 Uhr   




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