ERDMÖBEL


Kung Fu Fighting - Tour 2013

Mit routinierter Dringlichkeit schraubt sich Claus Kleber in die Kamera. Der große Nachrichtenmann ballt das Gesicht zu einem Mahnmal des kritischen Journalismus und spricht mit zu Schlitzen verengten Augen die magischen Worte: „Sie werden das, was jetzt kommt, möglicherweise nicht verstehen. Ich hab’s jedenfalls nicht verstanden“.

Gemeint ist die Band Erdmöbel. Kleber und seiner heute journal Redaktion war der enorme Zuspruch, den die Band für ihr letztes Album „Krokus“ erhielt, nicht entgangen. Von der SZ über die FAZ bis hin zur Zeit: In allen Blättern überschlug man sich ob der unerhörten Melodien, der wundersamen Arrangements und der assoziativen Texte. Kleber indes dünkt die Sache irgendwie verdächtig, gleichwohl er noch hinzufügt: „Eine Band, die auf den wunderbaren Satz kommt: „Wort ist das falsche Wort“ – eine solche Band kann nicht ganz verkehrt sein“.

Auch für Erdmöbel selbst stellte „Krokus“ den bisherigen Höhepunkte ihres Schaffens dar: Was die vier in Köln ansässigen Münsteraner mit „Krokus“ geschaffen hatten, stand komplett für sich allein und hatte mit nichts etwas zu tun, was sonst unter dem Banner „deutschsprachige Popmusik“ veranstaltet wird. Doch nach Krokus kam die Krise.
Die Band suchte verzweifelt nach einem Konzept und fand keins. Doch wie so oft, wenn man als künstlerisch tätiger Mensch festhängt: Plötzlich platzt er dann doch, der berühmte Knoten. Es war wohl im Frühjahr, als Berges plötzlich einen Song nach dem nächsten anlieferte: Windschiefe Hits wie das treibende „Im Club der senkrecht Begrabenen“ und wundersame Skizzen wie den sommermüden Erinnerungsfilm „Cardiff“, in dem Wörter wie „Heimwehheim“ oder „Hauhechelbläulinge“ so selbstverständlich und zwingend klingen, dass man sich fragt, wie die Popmusik bislang ohne sie auskommen konnte.

Im Falle des Titelsongs „kung fu fighting“ muss man sich nicht allzu groß den Kopf zerbrechen. Das Lied ist eine Ode an die Magie der Erinnerung. Etwas, was sich womöglich über einige der neuen Stücke sagen ließe: Man staunt immer wieder mit Kloß im Hals wie hier aus Klassenfahrterinnerungen, Schwimmbadausflügen und Brückenspaziergängen ein ums andere Mal große Erinnerungspoesie entsteht. Die Musik reicht diesmal von moderner Klassik bis hin zu Steely-­‐Dan-­‐Referenzen; Peter und der Wolf trifft auf Sixties-­‐Soundtracks, verdrehte Reggae-­‐ Rhythmen und umgebauten Meters-­‐Funk. Das Zarte und Delikate von „Krokus“ ist einem dringlicheren und – zumindest für Erdmöbel-­‐Verhältnisse – dreckigeren Sound gewichen. „Viel lebhafter als bisher“ empfindet Keyboarder Proppe die neuen Songs. Markus Berges geht sogar soweit zu sagen, „kung fu fighting“ sei „eine Platte zur Zeit. Es ist für mich ein extrem appellatives Album. Allerdings ohne Botschaft.“

Eins ist „kung fu fighting“ mit Sicherheit: ein aufregendes und zupackendes Album, das den Hörer während seiner kurzen Laufzeit an mehr Orte trägt als die meisten Alben der jüngeren Vergangenheit: nach Biarritz, Zollstock, Emsdetten, Oer-­‐Erkenschwick, Shenzen, Guangzhou, Cardiff (oder doch eher Bromley?), Mumbai, an die finnische See, natürlich nach Kölle – und an all die ganzen Orte, die keinen Namen haben. Und es ist eine Platte, die daran erinnert, dass das Schöne im Leben nicht das ist, worüber man Bescheid zu wissen glaubt, sondern das, wovor man staunend steht.

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Montag, 21.10.2013, 21:00 Uhr   




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