Foto:Daniel James

Let’s Panic

Jetzt ist die Zeit zu handeln. Auch wir als Theatermacher*innen müssen mit der Frage umgehen, welche Rolle die Kulturwelt in und nach der Pandemie einnimmt. Wir stellen uns an die Seite der Klimaaktivist*innen von Extinction Rebellion Berlin und intervenieren. Mit den Mitteln der Kunst und den Mitteln des zivilen Ungehorsam. Gemeinsam erklären wir das Theater zum Panikraum in der Krise.


Die Proklamation der Theaterrebellion im Wortlaut:

»Die Gerichtsbarkeit der Bühne fängt an, wo das Gebiet der weltlichen Gerichte sich endigt.«
(Friedrich Schiller)

Die Pandemie hat die Theaterwelt von einem auf den anderen Tag auf den Kopf gestellt. Stühle wurden abgebaut. Plexiglas aufgebaut. Die Säle stehen leer und die Maschinerie still. Der Schnürboden verrostet. Die Lichtpulte verstauben. Absperrband flattert an den Theaterportalen.

Die Coronakrise ist jedoch nur ein Vorgeschmack auf die ökologischen Krisen unserer Zukunft. Und doch macht uns diese Krise Mut. Denn wir haben gesehen, dass ein entschlossenes politisches Handeln möglich ist, als es darum ging Museen und Theater in kürzester Zeit zu schließen. Wir haben gesehen, dass die Menschen bereit sind, ihren Teil dazu beizutragen. Als es darum ging Schulen und Kitas Geschäfte und Restaurants auf Eis zu legen. Wir haben als Gesellschaft Gesicht gezeigt und Zusammenhalt demonstriert. Selbst bei Beschlüssen, die nicht nachvollziehbar sind, haben wir nicht gemeutert. Doch nun fordern wir, nachvollziehbare Beschlüsse! Denn wir wissen, wir kommen nur gemeinsam ans Ziel: Die Erderwärmung und das Artensterben auf diesem Planeten stoppen.

Das ist unsere Aufgabe: die Klimakrise, diese nicht aus den Augen zu verlieren. Uns läuft die Zeit davon. Allein aufgrund der Pandemie hat Deutschland seine Klimaziele für 2020 erreicht. Doch dies ist kein Grund zu jubeln, denn wir sind bald »back to normal«. Das bedeutet, auf einem Kurs, der das Pariser Klimaabkommen um mehrere Grad verpassen wird – und dabei beispiellosen irreparablen Schaden verursacht.

Wir sind nicht bereit, dabei länger tatenlos zuzusehen. Unseren Planeten können wir nicht umtauschen, wie ein Theaterticket. Für uns steht fest: es gibt kein Weg zurück in das Leben von gestern oder vorgestern. Wir wollen es auch nicht. Wir wollen kein Leben mehr, das die Resourcen von morgen vernichtet. Die Krise erklärt unseren Lebensstil zur Illusion. Unsere Freiheit zur Farce. Wir müssen aufwachen und erkennen, dass uns das Wasser bis zum Hals steht. Als Menschen, als Künstlerinnen, als Eltern, als Gesellschaft. Die Kassandra in uns ruft: Wir können, was wir sehen noch nicht glauben.

Wir wollen nicht mitlaufen im Hamsterrad derer, die sagen: Man müsste mal, man sollte mal, wäre es nicht besser wenn ...

Seite an Seite mit Klimaaktivisten und mit den Mitteln der Kunst erklären wir das Theater zum Panikraum in der Krise. The show musst not go on.

Wir warten nicht auf die Sintflut, das Wasser steigt stetig
Wir müssen unsere sicheren Häfen verlassen
Alles muss auf den Prüfstand
Das Theater wird zur Werft
Wir bauen eine Arche und fahren los
Jetzt oder nie
Wer, wenn nicht wir?

Wir rufen zur gemeinsamen #cultureclimaterebellion auf und laden alle Kulturschaffenden ein, sich uns anzuschließen und ein berlinweites Bündnis zu initiieren. Schließt euch uns an: Baut eine Arche! So dass ihr alle hineinpasst! Ihr habt die Man- und Womanpower, das Knowhow und die Materialien in den Werkstätten. Also, Leinen los! Die Zeit drängt. Das Wasser steigt. Die Luft wird knapp! LET'S PANIC!


Kulturwandel statt Klimawandel
Mit gemeinsamen Aktionen wollen wir unseren Forderungen nach ökologischer Nachhaltigkeit und Verteilungsgerechtigkeit Ausdruck verleihen und Aufmerksamkeit für diese dringend notwendigen Debatten generieren. Zum Start der Kampagne am Welttheatertag, den 27. März um 12:00 Uhr wurde vor unserem Haus die Theater Rebellion ausgerufen und mit einer Performance der »Red Rebels« und der »Theater Rebellen« das Theater zur Mahnwache. An der Fassade, im Gang und im Hof des Heimathafen Neukölln wurde mit Video-, Licht- und Audio-Installationen an die Dringlichkeit der Klimakrise erinnert. Weitere Aktionen folgen:

Politische Arbeit
Wir erstellen unsere eigene CO₂-Bilanz und treten mit anderen Kulturinstitutionen in den Dialog. Gemeinsam erstellen wir eine Selbsterklärung samt Forderungskatalog an die Politik. Der Start von »Let's Panic #CultureClimateRebellion«, einer bis November andauernden Kollaboration zwischen Kulturschaffenden und Umweltbewegung, will deutlich machen, dass die aktuelle Pandemie nur der Vorläufer für die weltweiten ökologischen Krisen ist. Ziel ist es, einen Wandel der Berliner Kulturbetriebe anzustoßen, damit diese aktiv daran mitwirken, die Klimakrise aufzuhalten.

Das Theater wird zum Panikraum
Digitale und analoge Formate wie Talks, Seminare und Open Assemblies geben Raum für gemeinsame Debatten und Austausch mit euch.

Das Theater wird zur Werft
Im leeren Ballsaal des Heimathafen Neukölln wird eine Arche gebaut. Anlässlich der Bundestagswahl ist ein Aufruf an alle Theater zum »Stapellauf der Archen« geplant. Weitere Aktionen sind in Planung.

2021 ist ein entscheidendes Jahr, also macht alle mit! Die Klimakrise ist hier! Kommt vorbei und unterstützt uns – mit Maske und Mindestabstand. Oder meldet euch bei panic@heimathafen-neukoelln.de

Let's Panic!

Fragen zu Let's Panic?

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